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11.04.2011   -„Ein Haus wie ein Chamäleon"

Konstanz (11.04.2011)   Auf einen Kaffee mit Cornelia Lurz, die bei einem Milchkaffee im Café Zeitlos vom nachhaltigen Bauen und dem Alter erzählt


 

Das Haus der Zukunft sollte flexibel nutzbar sein und einen hohen Energiestandard haben, sagt Architektin Cornelia Lurz im Gespräch mit SÜDKURIER-Redakteurin Kirsten Schlüter.

Auf einen Kaffee mit Cornelia Lurz, die bei einem Milchkaffee im Café Zeitlos vom nachhaltigen Bauen und dem Alter erzählt

Frau Lurz, das Thema Nachhaltigkeit ist immer wieder in aller Munde. Was verstehen Sie darunter?

Ich beschäftige mich mit nachhaltigem Bauen. Ein nachhaltiges Gebäude ist für mich eines, das den momentanen Bedürfnissen der Bewohner entspricht, das aber die zukünftigen Generationen nicht einschränkt und oder gefährdet.

Was gehört zu solch einem Gebäude?

Zum nachhaltigen Bauen gehört das Berücksichtigen energetischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Aspekte. Man muss heute zum Beispiel schon an alters- und behindertengerechte Wohnungen denken und darauf achten, dass ein Gebäude und Wohnraum flexibel nutzbar sind. Nicht die Bewohner sollen sich dem Wohnraum anpassen, sondern der Wohnraum sollte sich den Bewohnern anpassen.

Wie kann man sich das vorstellen? Bauen Sie verschiebbare Wände ein?

Nein, das nicht. Als typisches Beispiel wird immer die bodenlose Dusche genannt, die für einen Rollstuhlfahrer zugänglich ist, aber auch für eine Frau mit Rollator und eine Familie mit Kindern praktisch ist. Was Älteren nützt, schadet Jüngeren ja nicht, sondern es gibt eine Nutzungserleichterung für alle Generationen.

 

Heißt das, dass man eigentlich keine außergewöhnlichen, verwinkelten Häuser mehr bauen sollte?

Nein, das auch nicht (lacht). Sehr gut ist aber, gleich beim Neubau zu berücksichtigen, dass man vielleicht irgendwann mal einen Aufzug nachrüsten könnte. Der Architekt sollte eine Fläche dafür bereithalten, wenn jetzt das Geld fehlt, um gleich beim Neubau einen Aufzug einzubauen. Außerdem ist es sinnvoll, wenn ich gleich an rutschfeste Bodenbeläge denke oder an eine gute Ausleuchtung, die ich später noch ein bisschen nachrüsten kann.

Sehen die Kunden ein, dass sie auch in jüngeren Jahren schon an altersgerechtes Wohnen denken sollen?

Ja, auf jeden Fall. Wobei ich sie immer noch darauf hinweisen muss. Gerade junge Familien mit Kindern denken zunächst: Wir brauchen neben den anderen Wohnräumen zumindest für jedes Kind ein Zimmer. Aber ganz viele denken nicht daran, was sie mit dem übrigen Wohnraum machen, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Ich habe beim Planen oft immer schon im Hinterkopf, dass man für die Zeit nach den Kindern und vor der Rente den Wohnraum wieder umnutzen kann. Man könnte eine Einliegerwohnung abtrennen oder aus einem Einfamilienhaus eine Doppelhaushälfte mit zwei kleinen Einheiten machen. Oder ich mache geschossweises Wohnen möglich und nehme später die abgetrennten Räume wieder dazu, wenn ich eine Pflegekraft brauche. Die Idee ist, dass man das mit ganz einfachen Mitteln macht, ohne große Folgekosten.

Wie sieht denn die Altersstruktur in unserer Region künftig aus?

In 15 Jahren braucht der Kreis Konstanz 6300 altersgerechte Wohnungen. Die sind jetzt noch nicht da, also wird man nachrüsten müssen. Ich denke, es ist schöner, wenn die Leute sich noch selbst versorgen können und zu Hause alt werden. Da kann man baulich sehr viel machen. Wenn ich als Architektin in einer Küche auf unterfahrbare Arbeitsflächen achte, kann der Bewohner gewisse Tätigkeiten in der Küche im Sitzen erledigen. Wichtig ist auch das altersgerechte Bad. Altersgerecht heißt nicht nur schwellenlos, sondern dazu gehören eben auch die Ausleuchtung und eine gute Raumakustik für die Schwerhörigkeit sowie breitere Türen. Was macht die ältere Generation heute aus?

Ich finde die Generation der älteren Menschen, die jetzt kommt, hochinteressant. Das sind ganz aktive Leute. Sie stehen mitten im Leben, sie wissen, was sie wollen und haben tolle Ideen. Manche Kollegen meinen etwas negativ, nachhaltiges Bauen sei etwas für die Alten und somit altmodisch. Aber die ältere Generation heute ist sehr modebewusst. Sie legt Wert auf Qualität und lässt sich nicht mehr mit einem Krankenhausstil abspeisen.

Was wäre für Sie zusammengefasst das ideale Haus der Zukunft?

Das ideale Haus der Zukunft wäre für mich das Haus, das sich mit meinen Wohnbedürfnissen ändert wie ein Chamäleon. Außerdem wäre es wünschenswert, ein Nullenergiehaus zu haben, also ein Haus, das die Energie für Heizung, Warmwasser und so weiter selbst erzeugt. Von Öl und Gas muss man sich langfristig verabschieden, weil das endliche Ressourcen sind, während die Sonne voraussichtlich noch in 1000 Jahren scheint.

Fragen: Kirsten Schlüter